Deutsch-Italienischer
Übersetzerpreis

Italia und Germania - Friedrich Overbeck, 1828

Italia und Germania
Friedrich Overbeck, 1828

Verleihung des Deutsch-Italienischen Übersetzerpreises am 26. Juni 2017 im Berliner Bode-Museum

Kulturstaatsministerin Monika Grütters


Am 26. Juni 2017 wurde im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel der Deutsch-Italienische Übersetzerpreis verliehen. Kulturstaatsministerin Grütters und Ilaria Borletti Buitoni, Staatssekretärin im Ministerium der Italienischen Republik für Kulturgüter, kulturelle Aktivitäten und Tourismus, übergaben den diesjährigen Preisträgern im Rahmen eines Festakts ihre Urkunden.

Staatssekretärin Ilaria Borletti Buitoni, die Preisträger Reimar Klein, Victoria Lorini und Martin Hallmannsecker, Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Jury-Vorsitzende Maike Albath und der italienische Botschafter in Berlin Pietro Benassi (v.l.n.r.)


Den Preis für eine herausragende Übersetzung eines italienischen Werkes ins Deutsche erhielt Victoria Lorini. Sie wurde für ihre Übersetzung der Vite von Giorgio Vasari (Wagenbach) ausgezeichnet, insbesondere für die letzten vier Bände der 45teiligen Ausgabe.

„Die erstmals vollständige Übertragung der Vite von Giorgio Vasari ist ein kulturgeschichtlicher Meilenstein. Victoria Lorini hat die Aufgabe mit glänzendem Sprachgefühl, philologischer Genauigkeit und kunsthistorischer Expertise gemeistert. Ob Bildbeschreibungen, anekdotische Passagen oder Schilderungen der Arbeit in den Werkstätten, sie findet für jede Textsorte eine Entsprechung. Gleichzeitig legt sie das theoretische Nervengeflecht des Werkes bloß und vereinheitlicht die Terminologie. Vasari gewinnt neue Strahlkraft und Lesbarkeit. Mit den letzten vier Bänden der 45teiligen Ausgabe bringt Victoria Lorini ihre zwanzigjährige Arbeit zu einem grandiosen Abschluss.“



Reimar Klein wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

„Reimar Klein versetzt den komplexen philosophischen, kulturtheoretischen und literaturgeschichtlichen Hintergrund des Essayisten Roberto Calasso in Schwingungen. Seine eindrucksvollen Übertragungen der Studien zu Tiepolo, Baudelaire und den vedischen Mythen zählen zu den Höhepunkten der Sachbuchübersetzungen der letzten Jahre. Klein steht auf dem Fundament der Wissenschaftssprache des 19. Jahrhunderts und macht sie für das 21. Jahrhundert fruchtbar. Er ist ein Meister des Periodenbaus. Seine formale Strenge verleiht den Übersetzungen zeitlose Klassizität. Reimar Kleins Werk umfasst außerdem Übersetzungen von Giorgio Colli, Carlo Michelstaedter und Pier Paolo Pasolini.“



Der Nachwuchsförderpreis ging an Martin Hallmannsecker für seine Übersetzung des Novellenbandes Maestro Amor von Luigi Pirandello (C.H. Beck).






Die Preisträger des Deutsch-Italienischen Übersetzerpreises 2017


Victoria Lorini erhielt den Preis für eine herausragende Übersetzung eines italienischen Werkes ins Deutsche.

Victoria Lorini, geboren 1969, hat ihr Studium der Kunstgeschichte, Romanistik und klassischen Archäologie in Frankfurt am Main sowie der Etruskologie in Florenz mit einer Arbeit über die Darstellung des Neides in der bildenden Kunst abgeschlossen. Seit 1997 erarbeitet sie mit den Herausgebern der Edition unter der Leitung von Alessandro Nova die neue deutsche Übersetzung der Vite Giorgio Vasaris und ist außerdem als freie Übersetzerin wissenschaftlicher und literarischer Werke tätig. Mit ihrer Familie lebt sie seit 17 Jahren in Rom.

Reimar Klein wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Reimar Klein, geb. 1942 in Halle/S., hat in Frankfurt/M. Philosophie studiert und, dementsprechend, in Berlin (FU) Philosophie unterrichtet. 1974 blieb die Einladung zu einem Vortrag an der Universität Turin nicht folgenlos: Er lernte Italienisch und erprobte es so bald wie möglich übersetzend. Das - seit Hieronymus - dazu nötige "Gehäus" fand sich in den mittelalterlichen Mauern von Montepulciano. Der akademische Wurm, der bald wieder anfing sich zu regen, ließ sich mit der schönen italienischen Einrichtung des "professore a contratto" - an den Universitäten von Bergamo, Viterbo, Feltre und Triest - über lange Jahre zufriedenstellen. Endgültig allerdings erst 1993 mit einer Professur an der Fakultät für Dolmetscher und Übersetzer in Triest. Die Emeritierung erfolgte vor vier Jahren.
Von Anfang an haben ihn, theoretisch wie praktisch, essayistische Texte interessiert, also solche, in denen sich Philosophie, Wissenschaft und Literatur berühren oder überschneiden oder kontaminieren. Ihren höchsten Begriff verkörpern in Italien wohl die Bücher Roberto Calassos; ihnen war seine Übersetzungsarbeit in den letzten Jahrzehnten ausschließlich gewidmet. Auch so gegensätzliche Autoren wie Giorgio Colli mit seiner exklusiven Hinwendung zur vorsokratischen Weisheit und Pier Paolo Pasolini, der sich an der Moderne die Zähne ausbiss, gehören in diesen Rahmen.

Der Nachwuchsförderpreis ging an Martin Hallmannsecker für seine Übersetzung des Novellenbandes Maestro Amor von Luigi Pirandello.

Der ausgebildete Buchhändler Martin Hallmannsecker, geb. 1985, studierte zunächst Operngesang und daraufhin Klassische Philologie in München. Zurzeit promoviert er im Fach Alte Geschichte an der Universität Oxford und ist daneben als freiberuflicher Lektor tätig. Die italienische Sprache hat er sich neben seinem Studium selbst angeeignet. Der Band Luigi Pirandello, „Maestro Amor. Römische Novellen“ (C.H.Beck 2016), für den er auch die Auswahl der Novellen übernommen hat, ist seine erste veröffentlichte Übersetzung.