Deutsch-Italienischer
Übersetzerpreis

Der ehemalige Kulturstaatsminister Bernd Neumann

Der ehemalige
Kulturstaatsminister
Bernd Neumann

Deutsch-Italienischer Übersetzerpreis


Grußwort des Ministers

Auf einer „Insel in Rom" fing alles an - genauer gesagt: In einem Café auf einer Verkehrsinsel nahe der Deutschen Botschaft. Dort wurden Anfang 2005 zwischen dem Goethe-Institut Rom, der Deutschen Botschaft und meinem Haus erste Verabredungen zu dem Preis getroffen, den wir heute zum zweiten Mal verleihen. Angesichts der Fülle an deutschen Literatur- und auch Übersetzerpreisen war es durchaus erstaunlich, dass es ausgerechnet für den literarischen Transfer zwischen den beiden, über Jahrhunderte vielleicht am engsten verbundenen europäischen Kulturnationen noch keine Auszeichnung gab.

Unser Preis ist - es wird sie nicht wundern, wenn ich das sage - etwas ganz besonderes. Und zwar vor allem wegen des Vergabemodus, denn er wird im jährlichen Wechsel an Übersetzerinnen und Übersetzer jeweils beider Sprachen verliehen. Auf diese Weise wird deutlich, dass Übersetzen im Idealfall ein Geben und Nehmen ist, ein Transfer in beide Richtungen und keine Einbahnstraße.

Dies erscheint mir umso wichtiger, als im kulturellen Austausch zwischen dem Norden und dem Süden, zwischen Deutschland und Italien, unser Land über weite Strecken wohl doch eher die inspirierte Seite war, Italien eher die inspirierende. Deutschland hat sich freilich, das sage ich nicht ohne gewissen Stolz, auf seine Weise revanchiert: Nirgendwo auf der ganzen Welt unterhalten wir so viele und so vielfältige kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen wie in Italien.

Einige davon, wie die Casa di Goethe, die Villa Massimo, das Deutsche Studienzentrum in Venedig und die Villa Romana in Florenz, werden von meinem Haus verantwortet. Ich habe sie mittlerweile alle besucht, und ich musste feststellen, dass sie hoch angesehene Botschafter deutscher Kultur in Italien sind und auch ein lebendiger Teil der Kultur vor Ort.

Auch die Übersetzer sind ja Kulturbotschafter und Kulturvermittler. Das macht den besonderen Reiz des Übersetzens aus. Über die kulturelle Bedeutung des Übersetzens ist Vieles und Kluges gesagt worden, auch und gerade von Schriftstellern. Es kann fast als Allgemeinplatz gelten, dass Übersetzungen die Grenzen einer Sprache erweitern, dass sie Weltliteratur möglich machen, indem sie die Gedankenwelt fremder Völker in die eigene Sprachwelt aufnehmen, dass sie Motoren eines kulturellen Austausches und eines kulturellen Dialoges auf Augenhöhe sind.

Auch wir Politiker sind auf Übersetzungen und Übersetzer angewiesen. Ohne sie wäre grenzüberschreitende Politik meist nicht möglich, und oftmals „machen" sie auch in einem positiven Sinne Politik, indem sie behutsam glätten, anpassen oder sagbar machen, was man in einer anderen Sprache „so" nicht sagen kann oder darf, ohne zu verärgern, verletzen oder schlicht nicht richtig verstanden zu werden. Nun ist das Übersetzen von Politikerreden doch noch etwas anderes als die Übersetzung von Romanen oder gar Gedichten. Letzteres ist eine sensible, künstlerisch hoch anspruchsvolle Aufgabe. Die Förderung des Übersetzens als Kunst ist ein besonderes Anliegen der Bundesregierung, und zwar nicht nur mittels dieses einen, besonderen Preises, der der Kunst des Übersetzens zwischen zwei bedeutenden europäischen Kultursprachen verstärkte öffentliche Aufmerksamkeit einbringen soll.